Wilde Alb – ein ganz besonderes Fotoprojekt

Nachdem ich jahrelang in meiner hohenlohischen Heimat und rund um meinen Wohnort Stuttgart meinen (natur-)fotografischen Schwerpunkt hatte, zog es mich in den Jahren 2014 und 2015 immer häufiger auf die Schwäbische Alb. Viele dieser Touren habe ich damals mit Bernd Nill unternommen, der die Alb von Kindesbeinen auf kennt und schätzt. So hatten wir schöne Fototouren, die uns im Frühjahr häufig auf die Magerrasen der Alb und zu den heimischen Orchideen geführt haben. Auf dem Rückweg einer dieser Touren 2015 haben wir wieder einmal über die Fotografie und deren Möglichkeiten philosophiert. Rasch kamen die Gedanken auf ein Fotoprojekt, um der persönlichen Fotografie ein neues Ziel zu geben. Und ebenso schnell waren wir uns einig, dass es mit der Schwäbischen Alb zu tun haben sollte. Berauscht vom fotografischen Erlebnis dachten wir natürlich auch gleich an einen Bildband, eine Ausstellung und eine Multivisionsshow. So reifte einige Tage und Wochen die Idee in uns und schnell wurde auch klar, dass es zu zweit unmöglich sein wird, der Schwäbischen Alb nur ansatzweise fotografisch gerecht zu werden. So trugen wir die Projektidee in unsere Regionalgruppe VIII Württemberg-Bayern der Gesellschaft für Naturfotografie – vielleicht hatte ja jemand Interesse mitzumachen? Rasch hatten sich rund 30 Teilnehmerinnen und Teilnehmer gefunden und die Planungen zum Projekt liefen Ende 2015 auf Hochtouren. Listen zu albtypischen Motiven wurden erstellt, als Basis für die „Aufteilung der Arbeit“. Dabei stand die Idee im Mittelpunkt, dass keine Archivbilder verwendet werden, sondern alle Bilder ab dem 01. Januar 2016 entstehen sollen.

Projektfaltblatt 2016

Diese neuen Bilder sollten kreativ und außergewöhnlich sein, denn dokumentarische Bilder der Alb gibt es ja bereits zu genüge. Und klar war auch, dass wir zu einem späteren Zeitpunkt nur die wirklich besten Bilder verwenden werden.

Begeistert brachen wir zu Jahresbeginn 2016 auf und viele Teilnehmer fotografieren fleißig, so dass bis in den Frühsommer hinein bereits ein ansehnliches Portfolio von Alb-Fotografien vorlag. Schnell wurde uns klar, wir brauchen mehr als nur gute Bilder. Ein Logo für unser Projekt sowie ein Flyer für die Information der Öffentlichkeit wurde von einer Grafikern entworfen und gedruckt. Parallel dazu wurde eine Projekt-Homepage durch eine Teilnehmerin aufgesetzt. Früh wollten wir Werbung für die Natur der Schwäbischen Alb und unser Projekt machen. Regelmäßig haben wir uns in dieser Zeit als Gruppe getroffen, um die Entwicklungen zu diskutieren und weiter zu planen. Nicht alles lief immer reibungslos, wie das nun mal bei Gruppenarbeiten so ist. Aber das Projekt wuchs und wuchs.

Eine entscheidende Wende nahm das Wilde-Alb-Projekt im Frühjahr 2018. Wir hatten zaghaft beim renommierten Knesebeck-Verlag in München angeklopft und ein kleines Portfolio übersendet. Die Antwort war positiv und wir mussten innerhalb weniger Tage ein überzeugendes Buchkonzept vorlegen. Die Tage vergingen und am 06. Juli kam per Mail die freudige Nachricht: Der Verlag wird die „Wilde Alb“ publizieren. Das Buch soll im Herbst 2019 erscheinen. Das war mehr als grandios! Nun begann die eigentliche Arbeit. Denn nicht nur das Buch sollte im Herbst 2019 erscheinen, auch eine Wanderausstellung sollte Premiere feiern und eine Multivisionsshow das Licht der Welt erblicken.

Wilde Alb – Naturschätze zwischen Felsen, Höhlen und Wasserfällen, 28.0 x 24.5 cm, gebunden, 192 Seiten mit 200 farbigen Abbildungen, 36 Euro, ISBN 978-3-95728-309-2

Spätestens ab diesem Zeitpunkt nahm nicht mehr die Fotografie den zeitlichen Schwerpunkt des Projektes ein, sondern die Arbeit an den „Produkten“. Aus einem Berg von Bildern mussten Bildauswahlen für den Bildband, die Show und die Ausstellung getroffen werden. Buchtexte galt es zu schreiben. Sponsoren mussten gefunden werden, denn Druck der Bilder und Produktion der Show waren kostspielig. Nachdem all diese Dinge Stück für Stück entwickelt wurden kam die Terminplanung on top. Pressearbeit. Premiere-Termin. Tourneeplanung und vieles mehr.

Kurz vor der Premiere unserer Multivionsshow „Wilde Alb“ auf dem Internationalen Naturfotofestival in Lünen 2019. Bernd Nill (links) und ich – aus unserer Idee wurde das Fotoprojekt „Wilde Alb“, welches wir federführend begleiten durften. Foto: Mark Gross

Mitte Oktober 2019 war es dann soweit: Unser Bildband „Wilde Alb“ erschien im Handel. Zwei Wochen später hatte unsere verkürzte Multivisionsshow „Wilde Alb“ Premiere beim Internationalen Naturfotofestival in Lünen. Und dann am 23. November 2019 die große Premiere mit Umweltminister Franz Untersteller in Bad Urach. Über 200 Gäste waren gekommen, ein fantastischer Abend! Nun ging es mit der „Wilden Alb“ so richtig los…

Das Fotoprojekt „Wilde Alb“ ist ein Gruppenprojekt von Mitgliedern der Gesellschaft für Naturfotografie aus der Regionalgruppe VIII Württemberg, Bayern. Über drei Jahre waren die Fotografinnen und Fotografen, vom Studenten bis zum Rentner, auf der Schwäbischen Alb unterwegs, um ganz besondere Bilder für das Projekt einzufangen. Die vielen helfenden Hände der Teilnehmer haben den Erfolg des Projektes erst möglich gemacht.

Das Echo aus der Presse wie aus der Bevölkerung war unglaublich. Innerhalb weniger Wochen und noch vor Weihnachten war die erste Auflage des Buches (3.500 Stück), übrigens mit Grußwort unseres Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann, ausverkauft.

Im Januar 2020 kamen zur Vernissage in Ulm rund 600 Menschen – einfach unglaublich. Die 2. Auflage des Buches war ebenfalls nach wenigen Wochen vergriffen. So hätte es weitergehen können, wir hatten 2020 fix durchgeplant… Doch dann Mitte Februar 2020 der Stillstand und nur wenige Aktivitäten waren in den darauf folgenden Monaten noch möglich.

2021 wird hoffentlich alles besser, der Wilde Alb – Kalender ist auf jeden Fall prall mit Terminen gefüllt!

Mehr Informationen zum Projekt, zu den Teilnehmern und zu aktuellen Terminen wie Veranstaltungen unter:

www.wildealb.de

Seit dem Wilde Alb – Projekt bin ich verliebt in die Schwäbischen Alb und verbringe den Großteil meiner Freitzeit auf und an der Alb. Natürlich ist auch meistens die Kamera mit dabei. Für mich gibt es nichts Schöneres, als den Sonnenaufgang auf einem exponierten Felsen am Traufe der Alb zu erleben. Über den Dingen stehend, dem Himmel so nah und dabei weit entfernt vom Trubel und vom Alltag – das ist Erholung pur für mich und gibt mir die Kraft für die neuen Aufgaben und Projekte, die da kommen mögen…

Wilde Alb – eine Auswahl meiner Bilder für das Projekt ( 2016 – 2019)