Nationalpark Neusiedler See - Frühling im Naturparadies


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Es ist schon lange kein Geheimnis mehr, dass der Neusiedler See ein Traumziel für Naturfotografen ist. Der einzige Steppensee in Mitteleuropa hat duch seine Lage eine unglaubliche Artenvielfalt, die jedes Jahr Tausende von naturbegeisterten Besuchern anlockt. Außerdem ist der See von Süddeutschland aus in wenigen Stunden bequem über die Autobahnen zu erreichen, weshalb sich bereits wenige Tage (von den aktuellen Spritpreisen und dem Umweltgedanken mal abgesehen) für einen Besuch lohnen.

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Feldhase (Lepus europaeus) Rehbock (Capreolus capreolus)

Die Natur am Neusiedler See

Um die Qualität des Gebietes zu verstehen, greift man am besten zur Europakarte. Der Neusiedler See liegt am östlichen Ende der Alpen am Rand zur pannonischen Tiefebene, die sich von Ungarn aus Richtung Osten erstreckt. Zum Mittelmeer sind es Luftlinie keine 300 km und auch der kontinental geprägte Osten von Europa liegt in unmittelbarer Entfernung. Dieser „Zusammenprall“ vieler unterschiedlicher klimatischer Zonen rund um den Neusiedler See hat zu einer enormen Artenvielfalt geführt. Die Vegetation ist eine bunte Mischung aus alpinen, pannonischen, mediterranen, südzentraleuropäischen bis hin zu sarmatischen Florenelementen. Durch die klimatisch begünstige Lage auf ca. 120m über NN im Regenschatten der Alpen haben sich auch eine Vielzahl von wärmeliebenden Arten angesiedelt.

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Zwerg-Schwertlilie (Iris pumila)

Die Tierwelt ist ebenso kunterbunt gemischt, wobei sich vor allem durch den See und die weitläufigen Steppen- und Sumpfgebiete viele auf diese Lebensräume spezialisierte Arten angesiedelt haben. Der eigentliche Vorteil für den Naturbeobachter und –fotografen liegt darin, dass all diese vielen (bei uns in Deutschland teilweise seltenen) Arten auf relativ kleinem Raum vorkommen. So kann man ausgehend vom Seewinkel im Umkreis von 30 km alles fotografieren und beobachten, was das Naturfotografen-Herz höher schlagen lässt. Mir ist keine Gegend in Mitteleuropa bekannt, die auf so engem Raum so eine Vielfalt an Motiven bietet. Der eigentliche See mit seinem kilometerbreitem Schilfgürtel ist aber fotografisch eher von untergeordneter Bedeutung, viel mehr sind die Lacken und Sumpfgebiete im Seewinkel die Highlights für die Beobachter und Fotografen.

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Die Qualität des Lebensraums Neusiedler See hat in den letzten Jahrzehnten durch Landwirtschaft, Klimawandel etc. massiv gelitten. Nichts desto trotz ist diese Gegend so schützenswert, dass 1992 in Österreich ein Nationalparkgesetz verabschiedet wurde, welches zur Gründung des Nationalparks Neusiedler See – Seewinkel führte. Etwa zur gleichen Zeit wurde auch auf ungarischer Seite ein Großteil des Sees und die östlich anschließenden Sumpfgebiete zum Nationalpark Fertö-Hanság ernannt. Somit kann man heute zu recht über einen grenzübergreifenden Nationalpark sprechen. Seit 2001 ist die Landschaft des Neusiedler Sees sogar UNESCO-Welterbe und somit auch international gewürdigt.

Anreise

Von Süddeutschland aus fährt man am besten über die Autobahn an Wien vorbei zum Neusiedler See. Als Anhaltspunkte sollen folgende Entfernungsangaben dienen:

Stuttgart – Illmitz, ca. 750 km
München – Illmitz, ca. 520 km
Frankfurt – Illmitz, ca. 800 km

Rohrdommel
(Botaurus stellaris)

Je nach dem ob man auf die West- oder Ostseite des Sees möchte, verlässt man die A4 von Wien kommend Richtung Budapest an der Ausfahrt Neusiedl (für die Westseite, Leithagebirge) oder Weiden (Ostseite, Seewinkel).

Unterkunft

Wer es nicht speziell auf eine Art abgesehen hat quartiert sich am besten in den Orten Illmitz oder Apetlon mitten im Seewinkel ein. Von hier aus kann man Dank der zentralen Lage alle „Hotspots“ im Seewinkel schnell erreichen. Lediglich die Westseite des Sees liegt gute 40 km entfernt, dorthin wird man aber meistens eh nur einen Tagesausflug unternehmen, hat man es nicht speziell auf die Flora und Fauna des Leithagebirges abgesehen. Die Unterkünfte sind je nach Qualität als verhältnismäßig günstig zu bezeichnen, über die Homepage der Ortschaften kann man sich bequem eine Unterkunft suchen. Kleine Privatquartiere wie Pensionen oder Ferienwohnungen haben ihren Reiz und ziehe ich persönlich Hotels etc. vor. Viele private Anbieter von Unterkünften betreiben nebenbei auch noch den Weinbau, was vor allem für Liebhaber des Rebensaftes eine wunderbare Fügung sein kann. Die Weine, vor allem die Weißweine, sind im Burgenland von hervorragender Qualität!

Einige Unterkünfte haben sich speziell auf die Bedürfnisse von „Frühaufstehern“ wie Fotografen oder Naturbeobachter eingestellt, so dass ein Frühstück bereits um 04:00 Uhr zur Verfügung steht. Der Vorteil von so genannten „Fotografen-Herbergen“ ist der abendliche Austausch mit Gleichgesinnten, was dem Informationsfluss teilweise sehr hilfreich sein kann. Außerdem kennen sich die Vermieter oft hervorragend im Gebiet aus und wissen durch ihre zahlreichen Gäste oft genau, wo es was zu sehen (und zu fotografieren) gibt.

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Ziehbrunnen prägen das Landschaftsbilder der Puszta Morgenstimmung im Hanság

Jahreszeiten und Fotomöglichkeiten

Viele werden sich fragen, wann denn nun die beste Zeit zum Fotografien am Neusiedler See ist? Das kann man natürlich nicht so pauschal beantworten. In den letzten fünf Jahren konnten ich den See in folgenden Zeiträumen besuchen:

10.06. - 18.06.2006
21.05. - 31.05.2007
13.04. - 22.04.2008
05.04. - 12.04.2009
26.03. - 01.04.2010

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Ziesel (Citellus citellus)

Somit waren wir in den Monaten April – Juni im Gebiet. Die fotografischen Möglichkeiten hängen natürlich stark von der Witterung und dem Frühjahrsverlauf ab. Prinzipiell hat man vor allem auf der Ostseite des Sees relativ wenig Niederschlag, häufig bilden sich aber in den Sommermonaten Gewitter, die dann lokal Regen bringen. Vor allem auf der Westseite am Leithagebirge hängen dann die dicken Wolken. Ein größeres Problem ist der Wind, der mitunter sturmartig auffrischt und die Fotomöglichkeiten stark einschränkt. Viele Vögel reduzieren bei starkem Wind ihre Flugaktivitäten und bleiben in Bodennähe und in der Vegetation. An Makrofotografie ist dann meistens auch nicht mehr zu denken. Der Wind kann zudem selbst in den Sommermonaten unangenehm kalt sein. Winddichte Kleidung so wie Handschuhe und Mütze sollte man grundsätzlich immer dabei haben, denn gerade bei geöffneten Fenstern im Auto zieht es unangenehm.

Bei einem „normalen“ Frühjahr würde ich die Fotomöglichkeiten wie folgt einschätzen:

März:

  • Hasen(-hochzeit) und Rehe
  • Ende März Frühblüher (Küchenschellen, Zwergiris usw.)
  • Zugvögel, vor allem Limikolen an den Lacken
  • niedrige Vegetation ermöglicht Einsicht in viele Flächen
  • Witterung kann sehr wechselhaft sein, es kann noch extrem kalt werden
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Große Küchenschelle (Pulsatilla grandis) Frühlings-Adonisröschen (Adonis vernalis)

April:

  • viele Vogelarten bei der Balz
  • die ersten Langstreckenzieher kommen in ihren Brutrevieren an
  • Hauptblütezeit einer Vielzahl von Orchideen, aber auch Zwergiris, Frühlingsadonisröschen usw.
  • Amphibien und Reptilien, vor allem Laubfrosch, Wechselkröte, Smaragdeidechse und Äskulapnatter
  • erste Ziesel kommen aus ihren Bauten
  • hohe Vielfalt an Motiven
  • teilweise noch wechselhafte Witterung, kann immer noch sehr kalt sein, vor allem der Wind
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juvenile Äskulapnatter (Zamenis longissimus) Äskulapnattern (Zamenis longissimus) können hervorragend klettern

Mai:

  • Balz bei vielen (Sing-)Vogelarten in vollem Gange
  • bei guter Witterung viel Aktivitäten bei den Zieseln
  • die Bienenfresser kommen zurück
  • Vegetation wächst rasant, deshalb vielleicht eher Anfang Mai gehen
  • bei nassem Frühjahr hervorragende Möglichkeiten an den Lacken
  • Temperaturen können schon die 30°C-Marke knacken
  • sehr ausgewogener Monat mit vielen Möglichkeiten
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Schafstelze (Motacilla flava) Grauammer (Emberiza calandra)

Juni:

  • die meisten Vogelarten gehen ihrem Brutgeschäft nach
  • viele Insekten sind nun unterwegs, vor allem auf den Magerrasen (Schmetterlinge) und entlang der Lacken und Feuchtgebiete (Libellen)
  • die ersten jungen Ziesel und Kaninchen verlassen den Bau, Bienenfresser brüten
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Bienenfresser (Merops apiaster) Wiedehopf (Upupa epops)

Die heißen Sommermonate kann man wohl weniger empfehlen. Im Herbst war ich selbst noch nie im Gebiet, die Tausenden von rastenden Gänsen sollen aber ein beeindruckendes Spektakel sein!

Von den oben genannten Monaten hat jeder sein ganz eigenen Reize. Natürlich kann man mit dem Wetter immer Pech haben, aber tagelang anhaltenden Dauerregen haben wir noch nie erlebt. Oft ist der (kalte) Wind ein größeres Problem als die fehlende Sonne. Bei knallharter Sonne kann man zwischen 10:00 Uhr und 16:00 Uhr auf Grund des intensiven Lichtes fotografisch kaum etwas machen.

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An klaren Tagen kann man über den Neusiedler See Richtung Osten bis zum Scheeberg (2.076 m NN), eine der letzten großen Erhebungen der Alpen, blicken.

Hotspots - Unterwegs im Gebiet

Als Grundlage für ausgiebige Fototouren im Gebiet empfiehlt sich eine gute Landkarte. Sehr gute Erfahrungen haben wir mit der Wanderkarte WK 215 Neusiedler See im Maßstab 1:50.000 vom Kompass-Verlag gemacht. Hier sieht man vor allem deutlich, welche Straßen nicht mit dem Auto befahren werden dürfen. Eine sehr schöne und preiswerte Karte im Maßstab 1:60.000 gibt es auch im Nationalparkzentrum in Illmitz zu kaufen.

Für Informationen sollte man zu Beginn immer einen Abstecher ins Nationalparkzentrum am Ortseingang von Illmitz (rechter Hand von Podersdorf her kommend) machen. Hier bekommt man nicht nur Karten und Bücher, sondern auch Infos zu Beobachtungsmöglichkeiten, zum Klima und zur Fauna und Flora des Gebietes. Eine kleine kostenlose Mappe enthält alle wichtigen Infos zum Nationalpark. Ein Blick lohnt sich auch auf das Programm, es werden regelmäßig Führungen mit den unterschiedlichsten Zielen angeboten. Außerdem sind oft (Natur-) Fotoausstellungen in einem der Nebenräume zu besichtigen.

Bevor ich auf einige interessante Bereiche im Gebiet eingehe noch einige wichtige Hinweise die es zu beachten gilt! Da es in der jüngsten Vergangenheit immer wieder Probleme, vor allem mit den schwarzen Schafen unter den Naturfotografen gab, sollte man unbedingt folgende Spielregeln einhalten:

  • Die Hinweisschilder im Nationalpark sind unbedingt zu beachten. Im Nationalpark dürfen nur die freigegeben Wege befahren und begangen werden, die restlichen Flächen gerade abseits der Wege sind tabu!!! Lassen Sie nicht nur den Tieren ihren Rückzugsraum, seien Sie auch Vorbild für andere Fotografen und Touristen.

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  • Prinzipiell können die Feldwege problemlos mit dem Auto befahren werden. Achten Sie auf Hinweisschilder ob Wege gesperrt sind bzw. entnehmen sie die Info den entsprechenden Karten. Auf Feldwegen herrscht viel landwirtschaftlicher Verkehr. Verhalten Sie sich so, dass Weinbauern etc. ohne Probleme vorbeifahren können. Fahren Sie nicht in landwirtschaftliche Flächen.
  • Halten Sie sich auch außerhalb des Nationalparks an die Grundregeln der sauberen Naturfotografie und berücksichtigen Sie die geltenden naturschutzrechtlichen Bestimmungen. Viele kleine Gebiete außerhalb des Nationalparks sind Naturschutzgebiete, in denen entsprechende Ge- und Verbote gelten! Beobachtung und Fotografie muss mit äußerster Rücksicht auf die Arten erfolgen! Beeinträchtigungen, vor allem in der Nähe von Brutstätten oder z.B. an Pflanzenstandorten, sind zu unterlassen! Immer wieder werden vor allem Neststandorte von Fotografen belagert, was in einigen Fällen schon zur Brutaufgabe geführt hat. Bitte haben Sie den Mut, andere Fotografen und auch Touristen auf die geltenden Bestimmungen bei Fehlverhalten hinzuweisen. Jeder Naturfotograf hat in meinen Augen eine Vorbildfunktion!

Viele der oben genannten „Regeln“ sollten für Naturfotografen überall gelten, nicht nur am Neusiedler See! Ein guter Fotograf zeichnet sich dadurch aus, dass er trotz Berücksichtigung der geltenden Ge- und Verbote hervorragende Bilder machen kann.

Je nach Jahreszeit gibt es Bereiche, die sich besonders für einen Abstecher lohnen. Prinzipiell ist die Fauna am See so reichhaltig, dass hinter jeder Ecke ein Traummotiv auftauchen kann. Man sollte selbst bei Transferfahrten die Ausrüstung immer griffbereit haben, häufig findet man die tollsten Motive direkt neben der Straße.

Nun einige Hotspots:

Hanság

Der Hanság ist ein ehemaliges Sumpfgebiet östlich des Seewinkels und grenzt direkt am Einser Kanal an Ungarn an. Hier wurden vor allem große, extensiv genutzte Wiesenflächen als Bewahrungszone in den Nationalpark aufgenommen.
Den Hanság erreicht man von Apetlon aus Richtung Osten über Wallern nach Tadten in ca. 15 Minuten. In Tadten fährt man im Ort rechts an der Kirche vorbei gerade aus bis zum Ortsende, dort hält man sich links bis ein kleines, unscheinbares Schild auf den Hanság hinweist. Es geht nun rechts ab auf einen geteerten Feldweg ins Gebiet. Der Hanság ist auf zwei ca. 5 Kilometer langen Parallelstraßen von Tadten oder Andau aus zu erreichen. Die interessanten Bereiche findet man ca. 2-3 Kilometer hinter Tadten auf beiden Seiten bis vor zum Einser Kanal. Auf der östlichen Straße sind vor allem die westlichen liegenden Flächen lohnenswert.
Fotomöglichkeiten bieten sich z.B. für:

  • Rehe und Hasen
  • Fasane
  • Singvögel, wie Neuntöter, Schwarz- und Braunkehlchen, Schafstelze, Grauammer, div. Rohrsänger und Schwirle
  • Sumpfohreule
  • Großtrappen (meistens sehr weit entfernt)
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Fasan (Phasianus colchicus) Feldhase (Lepus europaeus)

Praktisch alles wird aus dem Auto heraus fotografiert. Man sollte grundsätzlich sehr langsam durch's Gebiet fahren, erstens sieht man dann mehr und hat mehr Fotomöglichkeiten und zweitens nimmt man Rücksicht auf die vielen anderen Fotografen die durch's Gebiet fahren und überall links und rechts am Straßenrand stehen. Kommt ein weißer Jeep angedüst fährt man höflich zur Seite und grüßt, das ist dann nämlich der Ranger! ;-)
Vor allem in den frühen Morgenstunden hat man im Hanság die besten Möglichkeiten. Ein Sonnenaufgang nach einer kühlen Nacht ist im nebeldurchfluteten Hanság ein ganz besonderes Erlebnis.

Leithagebirge

Westlich des Sees verläuft eine bis zu 484 m hohe Hügelkette zwischen dem Seeufer und dem Alpenvorland, das so genannte Leithagebirge. Während die Höhenrücken vor allem mit einem Laubwald aus Eichen und Buchen bewaldet sind finden sich in den klimatisch begünstigten Hanglagen vor allem Weinberge und Obstplantagen. Mitten in diesen intensiv genutzten Hängen finden sich aber immer wieder Halbtrocken- und Trockenrasen, die durch ihre außergewöhnliche Artenvielfalt lohnenswerte Ziele sind. Hier sind vor allem der Thenauriegel bei Breitenbrunn sowie die vorgelagerten Hügel im NSG Hackelsberg zwischen Winden und Jois zu nennen. Rund um diese Magerrasenflächen befinden sich oft Gebüschsäume mit Vorkommen von Smaragd- und Zauneidechse so wie Äskulapnatter, welche auch an den Waldrändern zu beobachten ist. Lohnenswert ist auch ein Aufstieg zur Wacholderheide auf den Zeilerberg westlich von Jois.

Fotomöglichkeiten bieten sich am Leithagebirge z.B. für:

  • seltene Pflanzen der Magerrasen, wie Zwergiris, Dunkle und Große Küchenschelle, Frühlingsadonisröschen, div. Orchideen
  • Smaragdeidechse
  • Äskulapnatter
  • Schmetterlinge (z.B. Segelfalter, Kleines Nachtpfauenauge) und andere Insekten

Lacken im Seewinkel

Der Seewinkel ist geprägt von einer Vielzahl von Lacken, abflusslosen und salzhaltigen, flachen Stillgewässern die vor allem von Niederschlag gespeist werden. Je nach Jahreszeit unterliegen sie starken Wasserstandsschwankungen. Diese Lacken aber auch viele künstlich angelegte Teiche und Seen so wie Überschwemmungsflächen prägen das Gebiet und sind Grundlage einer reichen Vogelwelt. Zwischen den vielen Feuchtflächen finden sich aber immer wieder, teilweise extreme, trockenwarme Standorte, die weitere spezialisierte Arten einen Lebensraum bieten. Das vielfältige Mosaik dieser flachen, weitläufigen Landschaft bietet für viele (seltene) Tier- und Pflanzenarten optimale Lebensräume. Der Eindruck wird lediglich durch die vielen landwirtschaftlich intensiv genutzten Flächen getrübt. In den Nationalparkzonen dominiert zum Glück die extensive Grünlandnutzung. Im Herzen des Seewinkels zwischen und um Apetlon, Illmitz, Frauenkirchen und St. Andrä kommen eine Vielzahl von Reiher-, Enten- und Limikolenarten vor. Bei den Greifvögel dominieren Rohrweihen und Turmfalken das Bild, aber auch Korn- und Wiesenweihe, Mäusebussard und der Seeadler bekommt man hin und wieder zu Gesicht. Wie überall um den Neusiedler See gibt es sehr viele Hasen und Rehe. Nur wenige Lacken lassen sich direkt mit dem Auto anfahren. Vor allem die Lacken innerhalb des Nationalparks wollen mit dem Fahrrad oder zu Fuß erkundet werden. Nicht immer bieten sich optimale Fotogelegenheiten, aber zum Beobachten lohnt es sich alle mal das Auto stehen zu lassen.

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rufende Wechselkröte (Bufo viridis)

Auch ein genauer Blick auf den Boden und die Vegetation lohnt sich immer. Rund um die Lacken kommen viele Wärme liebende Pflanzen, die speziell auf den hohen Salzgehalt angepasst sind,vor. Besonders beeindruckend sind die großen Bestände des Kleinen Knabenkrauts auf den Magerrasen im Seewinkel. Selbst auf den Pferdekoppeln stehen die Pflanzen in großer Anzahl. In den feuchten Bereichen blüht Ende Mai als einer der letzten Orchideen im Frühjahr das Sumpfknabenkraut. Auch der Amphibienfreund kommt hier nicht zu kurz. In den ausgedehnten Schilfzonen leben große Populationen des Laubfrosches und der Rotbauchunke, die kilometerweit zu hören sind. In den flachen und stark erwärmten Lacken laichen die Wechselkröten, die durch ihren charakteristischen Ruf das allabendliche Amphibienkonzert bereichern. Auch die Kreuzkröte und verschiedene Wasserfroscharten kommen im Seewinkel vor.

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Waldohreule (Asio otus) Blutspecht (Dendrocopus syriacus)
mit Nachwuchs

Vielleicht wollen Sie ja auch mal vom flötenden Gesang der Singdrossel geweckt werden oder mit einem Laubfroschkonzert ins Bett gehen? Der Neusiedler See ist auf jeden Fall eine Reise wert!

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