Kaiserstuhl

 

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Ein ganz besonderes Ziel für Fotografen in Südwestdeutschland ist der Kaiserstuhl. Diese Vulkaninsel in Mitten der Rheinebene ist nicht nur wegen ihrer hervorragenden Weinlagen bekannt, Sie beherbergt auch eine ganz besondere Fauna und Flora in reizvoller Landschaft, was sie für den Naturfotografen und –liebhaber zu einem lohnenswerten Ziel macht.

Die Besonderheiten des Kaiserstuhls ergeben sich vor allem aus seiner Lage und seiner Entstehungsgeschichte. In den Schwäche- bzw. Störungszonen im Bereich der Lage des heutigen Rheingrabens stieg flüssiges Gestein auf und formte so ein „vulkanisches Mittelgebirge“ inmitten des Rheintals. Heute ist nur noch ein Bruchteil davon zu sehen, da Erosionsprozesse die inzwischen erloschenen Vulkane abgetragen und geschliffen haben. Die höchste Erhebung mit dem Totenkopf hat heute eine Höhe von 557 m über NN. Die Ausdehnung von Nordost nach Südwest beträgt ca. 15 km, von Ost nach West ca. 12,5 km.

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Durch die besondere Exposition im wärmebegünstigten Rheintal im Süden von Deutschland herrschen hier ganz besondere klimatische Bedingungen, die durchaus mit meditteranen Verhältnissen vergleichbar sind. Die von Westen kommenden feuchten Luftmassen regnen an den Vogesen ab und erwärmen sich beim Absinken in das Rheintal. Dabei lösen sich die Wolken auf, was vor allem direkt hinter den Vogesen in der Summe zu sehr niedrigen Jahrsniederschlägen führt.

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Baumpieper (Anthus trivialis) Blick über den Badberg Richtung Westen

Magmatische und ältere Sedimentgesteine bilden den Untergrund, der teilweise durch eine bis zu 60 m mächtige Lössschicht überdeckt ist. Dieser Löss entstand durch Ablagerung feinster Schlammpartikel, die durch Winde im Pleistozän (vor ca. 2,5 Millionen Jahre bis 0,01 Million Jahre vor Christi) aus dem Rheintal abgetragen und hier abgelagert wurden.  Dieser besondere Untergrund bietet zusammen mit den klimatischen Bedingungen die Grundvoraussetzung für interessante Vegetationstypen.

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 Brand-Knabenkraut (Orchis ustulata) Affen-Knabenkraut (Orchis simia)

Wälder bedecken in Hufeisenform den Kaiserstuhl und stocken auf den windexponierten und flachgründigen, landwirtschaftlich ungünstigen Lagen. Vor allem die lokal noch vorhandenen Flaumeichenwälder sind als Besonderheit hervorzuheben. Die Hänge, vor allem die südexponierten Lagen, werden hauptsächlich für den Weinbau genutzt. Um eine intensive Bewirtschaftung der Weinbergslagen zu ermöglichen wurden in den letzten Jahrzehnten, vor allem in den 1970er Jahren, große Terrassen im Rahmen von Rebflurbereinigungen geschaffen. Ein erheblicher Eingriff mit vielen negativen Folgen für Fauna und Flora.

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Westliche Smaragdeidechse
(Lacerta bilineata)
Leiterbock (Saperda scalaris)

Dennoch konnten viele Flächen durch Unterschutzstellung (Natur- und Landschaftsschutzgebiete und in jüngerer Zeit auch Natura 2000 Gebiete) erhalten werden. Vor allem im zentralen Kaiserstuhl gibt es an den steilen Hängen noch große Flächen von artenreichen Trocken- und Halbtrockenrasen, die durch die besonderen Standortverhältnisse mit geringen Wasservorräten und durch entsprechende Bewirtschaftung entstanden sind. Besonders die Halbtrockenrasen bilden blumenbunte Bestände mit großem Orchideenreichtum. Nicht nur für seine botanische Kostbarkeiten ist der Kaiserstuhl bekannt, auch seltene Vogel-, Reptilien- und Insektenarten haben hier einen Lebensraum gefunden.

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So findet man hier noch die Westliche Smaragdeidechse, die Gottesanbeterin, Bienenfresser und Wiedehopf und viele andere, landes- wie bundesweit seltene Tierarten. Ähnlich sieht es bei den Pflanzen aus, ob Affenknabenkraut oder Großes Windröschen, Fauna und Flora haben einiges zu bieten.

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Westliche Smaragdeidechse (Lacerta bilineata) Schlingnatter (Coronella austriaca)

Am besten übernachtet man im zentralen Kaiserstuhl in einer der Gasthöfe, Pensionen oder Ferienwohnungen. Außerhalb der Saison sind viele Unterkünfte auch kurzfristig frei und man kann durchaus kostengünstig nächtigen. Da der Kaiserstuhl überschaubar ist, erreicht man fast jede Ecke in ungefähr 15 Minuten mit dem Auto. Wer zentral, z.B. in Oberbergen oder Altvogtsburg wohnt, kann zu Fuß aus die Topgebiete wie das Naturschutzgebiet Badberg und Haselschacher Buck erreichen. Mit leichtem Fotogepäck kann man die Wanderschuhe schnüren und auf dem ausgemarkten Wegenetz die Raritäten in diesen Schutzgebieten entdecken. Trotz den im Vergleich zu den Alpen überschaubaren Höhenlagen sind die Anstiege nicht zu vernachlässigen, vor allem wenn die Sonne brennt kommt man ganz schön ins Schwitzen. Gutes Schuhwerk ist Pflicht! Am besten macht man sich am frühen Morgen auf den Weg, dann herrscht häufig noch Windstille und die Besucherströme halten sich in Grenzen. Vor allem an Feiertagen und Wochenende ist im Kaierstuhl viel los, Gäste aus dem nahegelegenen Freiburg aber auch aus der Schweiz und Frankreich sind überall anzutreffen.

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Fotografisch kann man sich vor allem mit den vielfältigen Makromotiven und der Landschaft auseinander setzen. Vom Weitwinkel bis zum leichten Tele sollte also alles an Bord sein, vor allem ein Makroobjektiv ist Pflicht. Aus Rücksicht auf Pflanzen und Tiere sollten die Wege nicht verlassen werden, zu schnell ist die Orchidee niedergetrampelt und Heerscharen folgen den Spuren im Gras. In den Naturschutzgebieten gilt zusätzlich das Wegegebot, welches unbedingt einzuhalten ist. Ein Verlassen der Wege ist aber überhaupt nicht notwendig, da unendlich viele Motive vom Weg aus entdeckt werden können und die Orchideen nur so links und rechts des Pfades stehen. Gerade die Smaragdeidechsen lassen sich am Fuße des Badbergs wunderbar von den Wegen aus fotografieren. Wer Glück hat, entdeckt auch eine Schlingnatter oder einer der bunten Röhren- und Springspinnenarten.

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Langhornbiene (Eucera interrupta) Raubfliege (Neomochtherus sp.) mit Besucher

Für Orchideenfreunde empfiehlt sich ein Ausflug in das Rosental, welches vom Südwesten aus erreicht werden kann. In dieser parkähnlichen Anlage der Forstverwaltung am Ende des Tales lassen sich auf vielen Wegen diverse Orchideenarten entdecken und fotografieren. Wer noch mehr Orchideen, vor allem die Ragwurzarten, sehen möchte, sollte einen Ausflug ins nahe gelegene Naturschutzgebiet Taubergießen am Rhein bei Rust machen.

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Pyramidenorchis
(Anacamptis pyramidalis)
Helmknabenkraut (Orchis militaris)

Deutlich schwieriger ist die Fotografie von Vogelarten im Kaiserstuhl. Nur wenige Hauptverkehrsstraßen sind für den öffentlichen Verkehr frei gegeben, die vielen Wege in den Weinbergen dürfen nur von Anliegern und landwirtschaftlichem Fahrzeugen befahren werden. Das Halten auf den kurven- und steigungsreichen Straßen für die Fotografie aus dem Auto heraus ist aus Gründen der Sicherheit nicht zu empfehlen. Trotzdem sollte man immer ein Fernglas zur Hand haben, die Arten lassen sich nämlich relativ einfach während den Wanderungen im Gebiet beobachten.

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Kronwicken-Bläuling (Plebejus argyrognomon) Libellen-Schmetterlingshaft (Libelloides coccajus)

Besonders im Frühling, zwischen Anfang Mai und Anfang Juni kann eine Reise in den Kaiserstuhl empfohlen werden. Die Wiesen stehen nun in voller Blüte und die meisten Orchideenarten können um diese Jahreszeit entdeckt werden. Dabei halten sich die maximalen Temperaturen noch in Grenzen und bis auf die Wochenende ist noch relativ wenig los. Auch für die Reptilien empfiehlt sich diese Jahreszeit besonders. Manche Arten wir die Gottesanbeterin lassen sich allerdings nur im Hoch- bzw. Spätsommer beobachten. Aber auch der Herbst, wenn sich die Blätter der Weinreben und der Laubwälder verfärben, hat seinen Reiz!

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