2010 war es soweit. Endlich konnte ich einem der schönsten und seltensten Tagfalter Baden-Württembergs einen Besuch abstatten, dem Roten Apollo (Parnassius apollo). Diese attraktive Art, die zu den Ritterfaltern gehört, war mir natürlich schon länger bekannt.  Aber erst eine Führung durch die Sammlungen des Naturkundemuseums Stuttgart gab mir den entscheidenden Impuls. In den Archiven finden sich fein säuberlich präpariert  und dokumentiert zig Apollofalter aus Baden-Württemberg. Richtig ins Staunen gerät man erst, wenn man sich die Zeit nimmt und die Fundorte der Falter studiert. Die Art war noch vor 100 Jahren in Baden-Württemberg vom Schwarzwald über die Schwäbische Alb hin weit verbreitet. Doch der Schwund seiner Lebensräume und das hohe Interesse von Schmetterlingssammlern machten dem Roten Apollo das Leben schwer. Der Apollo benötigt gut besonnte, trockene und felsige Standorte die genügend Nahrungspflanzen (vor allem blau bis violett blühende Pflanzen, wie z.B. Disteln, Flockenblumen usw.)  für die Schmetterlinge wie auch Raupenfutterpflanzen (Mauerpfeffer-Arten, insbesondere Weißer Mauerpfeffer) bieten. Viele dieser Standorte sind Grenzertragsflächen die aufgrund von Nutzungsaufgabe durch Sukzession verloren gingen oder sogar aufgeforstet wurden. Auch Insektizideinsatz (in Weinbergslagen) soll vor allem in der Vergangenheit den Mosel-Populationen Probleme bereitet haben. Es gibt auch Hinweise darauf, dass die Art empfindlich auf Änderungen des Klimas reagiert.
Dies hat zur Folge, dass der Rote Apollo als einzige Schmetterlingsart in Deutschland nach dem Washingtoner Artenschutzabkommen (international) geschützt ist. Er ist sogar die einzig weltweit geschützte Schmetterlingsart außerhalb der Tropen. Die Art wird zudem im Anhang der Berner Konventionen geführt und im Anhang IV der FFH-Richtlinie gelistet, was Ihn nach nationalem Recht zu einer streng geschützten Art macht. Dies soll zeigen wie bedroht diese, in der Roten Liste Deutschland in der Kategorie 1 (vom Aussterben bedroht) geführte, Tagfalterart ist.
So ergeben sich außerhalb des Alpenraums in Deutschland nur noch drei Vorkommensgebiete: An der Mosel, auf der Fränkischen Alb und auf der Schwäbischen Alb. In Baden-Württemberg gibt es lediglich noch einen relativ eng begrenzten Raum, in dem dieser Falter anzutreffen ist. Diese Bereiche sind z.B. durch Naturschutzgebiete geschützt und werden durch Erstmaßnahmen und Landschaftspflege gesichert.

Da mir die Örtlichkeiten der Vorkommen bekannt waren und ich auch eine Kontaktperson vor Ort hatte (vielen Dank Gerhard!) sah ich es als Leichtes an, den Falter beobachten und fotografieren zu können. Doch gerade in der Naturfotografie kommt es häufig anders als erwartet:

16. Juli 2010: Um 03.30 Uhr klingelte der Wecker. Mein Ziel war es vor Sonnenaufgang im Lebensraum des Apollos zu sein. Die Wetterbedingungen waren optimal doch vor Ort musste ich dann leider feststellen, dass die Flugzeit (gerade so) vorbei und kein einziger Falter mehr zu finden war. Im ersten Moment enttäuscht, fanden sich aber andere attraktive Motive:


Schachbrettfalter (Melanargia galathea)


Raupe des Wolfsmilchschwärmers (Hyles euphorbiae)
auf Ästiger Graslilie (Anthericum ramosum)

03. Juni 2011: Die gleiche Prozedur wie im Jahr zuvor, früh raus und eine Stunde Autofahrt zum Apollo. Vor Ort dann ein ganz anderes Problem, dass sich in der Nacht noch nicht abgezeichnet hatte. Starker Wind und ein wolkenbedeckter Himmel. Einige Falter waren zwar da aber wie diese unter diesen Bedingungen fotografieren??? Dank dem Einsatzes eines Pflanzenstengelhalters konnte ich wenigstens das ein oder andere scharfe Bild machen. Mit dem fotografischen Ergebnis war ich nicht zufrieden, aber die erste Begegnung mit einem Apollo war faszinierend! Ein wunderschöner, stattlicher Falter! Ich musste unbedingt wieder kommen…

 
Roter Apollo (Parnassius apollo)


randlich Grashalm weggestempelt

 

 


23. Juni 2012: Nach mehreren Anläufen, E-Mails und Telefonaten kam endlich die Meldung: Die Falter fliegen. Eine unbeständige Witterung hatte die Hauptflugzeit ständig verzögert. Dieses Mal passte alles: Windstille, ein paar wenige Schönwetterwolken und jede Menge Apollos. Innerhalb von 2,5 Stunden konnte ich über 30 Tiere zählen. So hatte ich die Zeit und Muße nicht nur zum Makroobjektiv zu greifen, sondern auch mit Weitwinkeloptiken den Falter und seinen Lebensraum in Szene zu setzen. Falter abseits der Wege fotografierte ich beim ersten Öffnen der Flügel mit langen Brennweiten.

 




Roter Apollo (Parnassius apollo) auf Scharfem Mauerpfeffer (Sedum acre)

 


Lebensraum des Roten Apollos

 

 Die Falter verbringen die Nacht tief im Gras.
Mit den ersten Sonnenstrahlen breiten sie die
Flügel aus und machen sich für den ersten Flug
des Tages bereit.

 

 Der ein oder andere Falter sucht sich einen anderen Platz zum Übernachten: Hier ein Rosengewächs.


Ein idyllisches Plätzchen? Roter Apollo zwischen Bahngleise, Industrie, Bundesstraße und Waldrand.


Paarung

Die Hauptnahrungspflanze der Raupe des Roten Apollos: Weißer Mauerpfeffer (Sedum album). Dieser
gedeiht auf Felsen und ist empfindlich gegen Beschattung.

Eingesetze Technik: Canon EOS 40D und 7D, Tokina 12-24/4,0, Tamron 17-50/2,8 VC, Sigma 150/2,8 Makro, Canon 100-400/4,5-5,6 L IS, Stativ, Fernauslöser, tlw. Pflanzenstengelhalter, Cokin-Grauverlaufsfilter, LiveView

Zur Fotografie von Apollo-Faltern: Der Apollo ist verständlicherweise ein „Wunschmotiv“ vieler Naturfotografen. Um zu guten Bildern zu gelangen ohne einen Schaden anzurichten sollte man sich nicht nur intensiv mit der Biologie der Art auseinandersetzen, sondern auch geltende Regelungen des Naturschutzes beachten. In Naturschutzgebieten dürfen die Wege nicht verlassen werden und zur Hauptflugzeit gibt es auch genügend Möglichkeiten, den Falter am Wegesrand in Szene zu setzen. Beim Querfeldeinlaufen besteht außerdem die Gefahr, die häufig tief im Gras sitzenden Falter zu übersehen und zu zertreten. Auch der Ablageplatz für den Fotorucksack etc. sollte besser zweimal kontrolliert werden. Zudem leiden die für den Falter wichtigen Pflanzen durch Tritt, insbesondere wenn Heerscharen von Fotografen und Besucher in die Gebiete strömen. Bei der Fotografie der Falter sollte äußerst umsichtig agiert werden und die filigranen Geschöpfe sollten auf keinen Fall direkt berührt werden etc. Verhält man sich umsichtig wird später nicht behauptet, dass Naturfotografen „Schuld“ an irgendetwas wären. Die bekannten Apollogebiete liegen natürlich im Fokus des privaten wie auch amtlichen Naturschutzes und ein Fehlverhalten kann für weitere Besucher und Fotografen unschöne Folgen haben. Außerdem macht es Sinn mit engagierten Apollo-Schützern Kontakt aufzunehmen, dabei erfährt man oft interessante Details oder bekommt entscheidende Hinweise und man kann sich ja mit ein paar schönen Fotos revangieren. Außerdem werden für die Öffentlichkeitsarbeit etc. immer gute Aufnahmen benötigt.